Grundsatzprogramm

Grundsatzprogramm der LHG Bayern

  1. Mehr Freiheit für Studierende und Universitäten
    Hochschulen müssen in die finanzielle, inhaltliche, organisatorische und personelle Eigenständigkeit entlassen werden. Hierzu ist das Hochschulrahmengesetz zu liberalisieren. Die Hochschulen sollen frei über ihr Budget verfügen. Die Studierenden sollen das Recht erhalten, sich frei für ihre Universität entscheiden zu können und ebenso soll die Aufnahme der Studierenden ausschließlich in der Verantwortung der Universitäten liegen. Durch die Abschaffung der ZVS haben die Universitäten nur schwer Möglichkeiten, Kapazitäten zu planen. Hierzu müssen zukunftsweisende Konzepte erstellt werden, um den Universitäten die Planung der Kapazitäten zu ermöglichen.
  2. Mitbestimmung stärken
    Den Studierenden müssen echte Mitbestimmungsrechte eingeräumt werden. Der demokratisch gewählte Senat muss auch in Zukunft das Hauptentscheidungsgremium der Universität bleiben. Wir lehnen den im neuen bayerischen Hochschulgesetz vorgesehenen Hochschulrat in dieser Form ab. Hochschulexterne Experten dürfen grundsätzlich nur beratende Funktion in Räten und Ausschüssen einnehmen. Hochschulgruppen dienen unter anderem zur Bildung von staatsbürgerlichen Verständnis. Sie vermitteln die Grundsätze der Demokratie und fördern den dialogischen Austausch. Die Hochschulen müssen weiter daran festhalten Bewerber nur über Hochschulgruppen an Hochschulwahlen teilnehmen zu lassen. Gleichzeitig soll in allen Hochschulgremien mindestens ein Drittel der Mitglieder von studentischer Seite gestellt werden, um eine Stärkung der Mitbestimmung anzustreben.
  3. Studienbeiträge sozialverträglich gestalten
    Studienbeiträge müssen durch ein breit angelegtes Stipendiensystem flankiert werden. Die Zahlung der Studienbeiträge muss optional nachgelagert und sozialverträglich geregelt sein. Eine Zusammenarbeit mit der Wirtschaft ist anzustreben, die durch gezielte Stipendien Hochbegabte fördert. Es ist sicherzustellen, dass die Beiträge an der Universität verbleiben und zweckgebunden für die Verbesserung der Lehre verwendet werden. Zudem muss den Studierenden das Recht eingeräumt werden, über den Einsatz ihrer Beiträge mit zu entscheiden. Der Staat gibt den Universitäten ausschließlich eine Beitragsobergrenze vor. Es bleibt auch in Zukunft hauptsächlich seine Aufgabe, die Finanzierung der Hochschulen zu gewährleisten. Die Mittelzuweisungen des Staates dürfen im Zuge der Einführung von Studienbeiträgen nicht gekürzt, sondern müssen aufgrund der steigenden Studierendenzahlen erhöht werden. Für Studierende muss eine unabhängige Finanzberatung eingerichtet werden. Der Studierende muss zu Beginn seines Studiums erfahren, wie er persönlich sein Studium finanzieren kann und welche Unterstützungsmöglichkeiten ihm zur Verfügung stehen. Zum Bafög ist ein separater Schlüssel hinzuzufügen. Dieser muss örtliche Vergleichsmieten mit einbeziehen und in Städten mit hohen Mietpreisen, wie zum Beispiel München, Studierende stärker unterstützen.
  4. Mehr Lehrveranstaltungen
    Die LHG Bayern hält die Sparmaßnahmen der bayerischen Staatsregierung an den Universitäten für falsch. Wir setzen uns daher für eine deutliche Ausweitung der Dozentenstellen ein, damit wieder bedarfsgerecht Seminare und Übungen angeboten werden können. Es darf nicht dabei bleiben, dass Studierende bei vielen Lehrveranstaltungen wegen Überfüllung abgewiesen werden und damit am Erwerb prüfungsrelevanter Scheine bzw. ECTS gehindert werden. So wird das Studium unnötig verlängert statt verkürzt. Zudem muss durch ein entsprechend breites Angebot eine Obergrenze an Teilnehmern pro Seminar eingehalten werden, die von den Fachschaften in Zusammenarbeit mit den Lehrstühlen festzulegen ist, da sonst die notwendige Lernqualität nicht vorhanden ist, die insbesondere für die BA/ MA Umstellung dringend erforderlich ist.
  5. Abhilfe für überfüllte Seminarräume und Hörsäle schaffen
    Die Universitäten in Bayern brauchen angesichts ständig steigender Studierendenzahlen dringend weitere räumliche Kapazitäten. Wir setzen uns deshalb dafür ein, alle Universitäten in Bayern innerhalb der nächsten fünf Jahre bedarfsorientiert um die benötigten Seminarräume und Hörsäle zu erweitern und dafür ein gezieltes Hochschulerweiterungsprogramm des Freistaates Bayern zu unterstützen. Dieses ist auch angesichts der geplanten Übertragung des Hochschulbaus auf die Länder dringend erforderlich.
  6. Kooperation ausbauen und Universitäten öffnen
    Es soll die Kooperation zwischen den bayerischen Universitäten und der Wirtschaft ausgebaut werden, gerade auch im Hinblick auf die Drittmittelförderung. Es muss das Ziel sein mehr externe Experten an die Universitäten zu binden, was auch bedeutet sich um mehr (internationale) Gastprofessuren zu bemühen. Studierende sind Intensiver in Forschungsprojekte einzubinden, um den Übergang in die Wirtschaft nach dem Abschluss zu erleichtern. Alle diese Maßnahmen sollen zu einer Öffnung der Universitäten beitragen.
  7. Internationalisierung forcieren
    Die bayerischen Hochschulen orientieren sich bereits international, was jedoch noch erweitert werden muss. So müssen ERASMUS und andere Austauschprogramme ausgebaut werden und mehr Vorlesungen in Fremdsprachen angeboten werden. Zudem ist das Angebot an Sprachkursen auszuweiten. Die Partnerschaft mit Universitäten in aller Welt ist zu intensivieren, wie auch internationale Forschungsprojekte angestrebt werden sollen. Leistungsnachweise, die im Rahmen von Austauschprogrammen erworben werden, müssen auch an der Heimathochschule anerkannt werden.
  8. Die Lehre verbessern
    Zur Steigerung der Qualität der Lehre müssen Professoren und Dozenten regelmäßig an didaktischen Seminaren teilnehmen. Bei der Berufung ist neben der Forschungsaktivität zusätzlich zu überprüfen, ob entsprechende didaktische Voraussetzungen vorhanden sind. Zum Ende des Semesters sind transparente Evaluationen durch die Studierenden zu erstellen. Die Ergebnisse müssen für die Beurteilten erkennbare Konsequenzen haben, positiv wie negativ.
  9. Mehr Identität schaffen
    Die Universitäten müssen sich verstärkt um ein Profil bemühen, das über den Fächerkanon hinausgeht. Hierzu müssen Ehemaligen-Netzwerke auf- bzw. ausgebaut werden und fakultätsübergreifende Veranstaltungen organisiert werden. Die Förderung von universitären Sportteams wird über das jetzige Maß hinaus angestrebt und soll helfen den Zusammenhalt innerhalb einer Hochschule zu vergrößern. Außerdem sind Studierende verstärkt an identitätsstiftenden Forschungsprojekten zu beteiligen.
  10. Balance zwischen Stoffmenge und Studienzeiten finden
    Die durch den Bologna-Prozess verkürzten Studienzeiten sind mit der Menge des zu bewältigenden Stoffes neu in Einklang zu bringen. Dabei müssen auch weitere Studiengänge auf eine unverhältnismäßige Stofflast überprüft und bei Bedarf entsprechend verändert werden.